Episode Transcript
[00:00:04] Speaker A: Wie war das? Der kurze Erklär Podcast der Arbeiterkammer.
Die Mittelschule ist fast geschafft. Doch wie geht es danach weiter? AHS Berufsbildende mittlere oder höhere Schule, Polytechnische Schule oder doch Eine Lehre mit 13 oder 14 Jahren? Eine Entscheidung zu treffen, die den weiteren Bildungsweg prägt, ist gar nicht so einfach.
In dieser Folge darf ich mit AK Bildungsexperten Christoph Danzer sprechen.
Hallo Christoph. Danke, dass du da bist.
[00:00:35] Speaker B: Hallo.
[00:00:36] Speaker A: Du wirst uns heute erklären, welche Möglichkeiten nach der Mittelschule offenstehen und was sie alles mit dem AK Schulscan herausfinden können.
Genau, Christoph, wie ich 14 war, bin ich einfach im Gymnasium weitergegangen in die Oberstufe. Ich habe mich gar nicht wirklich umgeschaut. Es war aber auch die richtige Wahl für mich und ich bin froh, dass ich, dass ich eigentlich zu faul war, um mich umzusehen. Aber Wenn ich jetzt 14 wäre, was würdest du mir raten? Welche Möglichkeiten gäbe es denn?
[00:01:05] Speaker B: Es gibt eine enorme Anzahl an Möglichkeiten. Das heißt, ich würde dir Schau mal auf eine Berufsinfomesse zum Beispiel, Schau dich ein bisschen um im Internet. Also die Möglichkeiten auch im Internet sind ja vielfältige und wir haben heute auch ein Angebot, auf das wir dann nachher noch näher eingehen, auf den AK Schulscan. Aber sozusagen, es gibt eine enorme Anzahl an Schultypen, an Schularten und die Frage ist halt, welcher Schultyp passt am besten zu deinen eigenen Interessen?
[00:01:38] Speaker A: Genau.
[00:01:40] Speaker B: Wie findest du das raus? Also ich glaube, es braucht einfach die Beschäftigung damit. Es ist natürlich ein Unterschied, ob du jetzt in eine Mittelschule gehst oder in eine AHS Unterstufe. In der Mittelschule ist es so, dass es ja auch einen Berufsorientierungsunterricht gibt.
Den gibt es an den AHS Unterstufen nicht. Das heißt, man ist selbst mehr gefordert, sich gemeinsam vielleicht mit den eigenen Eltern, mit Freunden, mit den eigenen Interessen, mit den eigenen Stärken und Kompetenzen zu beschäftigen.
Eltern raten wir immer beobachtet eure Kinder, was machen sie gerne?
Und da kann man dann schon ein Gefühl entwickeln. Und wenn man an den Kindern dran ist, dann weiß man ja eh, was gelingt ihnen auch gut, was können sie gut?
[00:02:25] Speaker A: Wo liegen die Talente?
[00:02:26] Speaker B: Genau, wo liegen die Talente? Und auf das würde ich besonders achten.
[00:02:31] Speaker A: Sollte man bei der Schulwahl dann eben mehr auf die Talente und Interessen achten oder tatsächlich mal auf die bisherigen Noten schauen, wo man einfach gut ist in der Schule oder auch ein bisschen so die späteren Berufsaussichten in den verschiedenen Branchen mit in die Erwägung reinziehen.
[00:02:51] Speaker B: Also die Noten würde ich schon als sehr relativ betrachten. Ich habe ja selbst drei Kinder. Der Älteste ist jetzt sozusagen in der ersten Klasse einer berufsbildenden höheren Schule und wenn ich mir sozusagen den Vergleich anschaue seiner Deutschnote, Deutsch in der Mittelschule 4, jetzt in der höheren Schule 1.
Also das heißt, es hängt schon sehr stark auch damit was habe ich für Lehrerin, was habe ich für Verhältnis zu dieser Lehrerin zum Beispiel?
[00:03:21] Speaker A: Wie wird das Thema rübergebracht?
[00:03:23] Speaker B: Genau, wie wird das Thema rübergebracht, wie wird das Interesse für dieses Thema geweckt? Natürlich kann das ein Parameter sein, aber das zeigt sich immer wieder, dass Noten schon auch sehr abhängig sind von der Lehrperson. Also das kann ein Faktor sein, weil wenn ich mich immer leicht getan habe in Mathematik und das wirklich so von der Hand gegangen ist und auch das merken die Eltern, denke ich, wo tut sich einfach das Kind leicht? Und das beginnt schon in der ersten Volksschule. Zum Teil formuliert es leicht das Kind, schreibt es gerne eigene Geschichten, Gedichte aus intrinsischer Motivation heraus oder eben nicht. Und auf das zu schauen, ich denke, das Kind da zu begleiten, zu beobachten, ist wichtig. Die Berufsaussichten sind so eine Sache. Ich vergleiche das immer wieder mit der Wetterprognose, weil ich kann für den morgigen Tag das Wetter sehr gut voraussagen, aber wie es in einer Woche sein wird in zwei Wochen ist schon schwieriger. Also es macht natürlich schon Sinn, sich einmal auch den Arbeitsmarkt anzusehen. Es gibt durchaus auch interessante Tools im Internet, auch vom AMS, vom Arbeitsmarktservice. Das heißt, man kann schon auch, es gibt ein Jobbarometer, man kann da schon schauen. Aber ich denke, das Allerwichtigste sind wirklich die Interessen, die Stärken des Kindes.
Also das überwiegt und dafür braucht es aber auch eine Auseinandersetzung.
[00:04:49] Speaker A: Stimmt, das ist wichtig. Gibt es da Hilfsmittel für diese Auseinandersetzung?
[00:04:52] Speaker B: Ja, gibt es. Es gibt im Netz vieles, aber es gibt ganz konkret auch eine Berufsorientierungsmappe, unter anderem mitfinanziert von der AK Niederösterreich für alle Schüler und Schülerinnen in den Mittelschulen. Die wird kostenlos und automatisch ausgehändigt und sind auch Arbeitsblätter drinnen, wo man sich auch als Elternteil hinsetzen kann mit dem Kind und eben die Interessen, die Stärken herausarbeiten kann.
[00:05:16] Speaker A: Das ist super. Dann hat man ein bisschen einen Leitfaden, wo man nachhaken kann und über was man so sprechen sollte, um sich zu orientieren.
Wenn ich jetzt weiß, wo meine Interessen liegen oder mir einfach schon ein bisschen sicherer bin, in welche Richtung es gehen soll, wie finde ich heraus, welche weiterführende Schule dann zu mir passt?
[00:05:38] Speaker B: Das ist nicht ganz einfach und darum ist sozusagen auch wichtig, dass es da Ratgeber gibt, weil es ist schwierig, den Gesamtüberblick zu haben. Was gibt es überhaupt? Welche Schulen gibt es überhaupt? Welche Schulen gibt es in meiner Region? Und dann natürlich weiterführend die Welche Schule passt am besten zu den Interessen meines Kindes? Und das ist eben der Gesamtüberblick ist was Wie bekomme ich den? Ich kann natürlich zum Beispiel auf eine Berufsinfomesse gehen und da gibt es ja auch eine tolle von uns, von der Arbeiterkammer Niederösterreich, Zukunft Arbeit Leben, da sind Schulen vertreten ja sehr wohl, aber nie alle.
Oder ich nehme auch ein anderes Tool von uns, diese Berufsorientierungs App, diese BerufsorientiErung to go.
Auch da kann ich mich ein bisschen orientieren, aber sozusagen, es hat bis vor zwei Jahren noch keine Plattform gegeben, wo ich alle Schulen auf einen Blick hatte und die noch dazu verknüpft wurden mit den Interessen meines Kindes. Und das bietet eben jetzt seit neuestem und wird ja ständig ausgeweitet, dieser AK Schulscan. Und um das vielleicht in Zahlen noch zu fassen und zu illustrieren, wir haben in Niederösterreich, und da spreche ich nur von Niederösterreich, weil ab September gibt es den Schulscan nicht nur in Niederösterreich, sondern auch in Wien und Burgenland, also in der gesamten Ostregion. Aber lediglich in Niederösterreich haben wir 438 weiterführende Schulangebote und da sind die 57 Polis noch gar nicht inkludiert in dieser Zahl. Also das ist schon eine enorme Fülle. Und die Frage ist, welche dieser Schulangebote, welcher dieser Schultypen, welcher dieser Schulzweige passt am besten zu meinem Kind?
[00:07:24] Speaker A: Was sagt eigentlich die Bezeichnung eines Schultyps tatsächlich darüber aus, was an einer Schule so unterrichtet wird?
[00:07:30] Speaker B: Naja, er sagt schon ein bisschen was aus, aber nicht alles. Also es ist natürlich ein Unterschied. Eine HTL, ja, da weiß ich, ich bekomme eine technische Ausbildung.
[00:07:40] Speaker A: Genau, man hat ungefähr eine Vorstellung Genau,
[00:07:42] Speaker B: bei einer HAK bekomme ich eine wirtschaftliche Ausbildung. Wenn man aber genauer reinschaut in den jeweiligen Schultyp, dann gibt es sehr wohl Unterschiede und die Unterschiede sind zum Teil schon durchaus eklatant, weil es da, und da sind wir wieder bei den Interessen, mache ich eine HTL für Bautechnik oder mache ich eine HTL für Medientechnik?
Also wenn ich mich für Baumaterialien interessiere oder für Baukonstruktionen, muss ich mich noch lange nicht für Medientechnik, für Mediendesign interessieren.
So gibt es auch bei den HLWs, bei den höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe auch sehr enorme Unterschiede. Ich kann eine HLW machen mit Schwerpunkt Sport, auch das gibt es tatsächlich. Oder ich mache eine HLW für Event Marketing oder eine HLW für Umwelt und Wirtschaft. Also man merkt schon, die Bandbreite ist sehr, sehr groß. Das heißt, der Schultyp, ja, er leitet einmal in eine Richtung, gibt sozusagen einen gewissen Rahmen vor, einen inhaltlichen, aber dann gibt es noch spezifische Vertiefungen und Schwerpunktsetzungen. Und das herauszuarbeiten, das leistet auch der AK Schulscan.
[00:08:59] Speaker A: Das ist super. Wie funktioniert der?
[00:09:02] Speaker B: Genau, der AK Schulscan gibt es im Netz kostenlos, also ich brauche keine Registrierung und unter Schulscan AT finde ich eben dieses Portal. Es ist ein Such und Vergleichsportal. Das heißt, ich kann alle Schulen, weiterführende Schulen suchen zum einen, aber auch vergleichen.
Und was wirklich ein Alleinstellungsmerkmal des Schulscans ist, ist, dass ich die Interessen meines Kind definieren kann. Also Interessensgebiete sind vorgegeben, da klicke ich an, welche Interessen treffen auf mein Kind zu und im Hintergrund ist es so programmiert, dass jetzt, wenn ich auf suchen gehe, jene Schulen, also jene Schulzweige ausgeworfen werden, die am besten zu den Interessen meines Kindes passen.
Und ich bekomme sozusagen die Stundentafeln serviert.
Stundentafel ist ja sozusagen Auflistung dessen, was gibt es an Pflichtfächern und wir haben auch zusätzlich noch dabei alle Arbeitsmarkt und berufsrelevanten Zusatzausbildungen, die ich freiwillig noch dazu machen kann. Das heißt, ich bekomme standardisiert, vereinheitlicht einen Blick auf die Inhalte der Schulen und
[00:10:16] Speaker A: somit auch einen guten Überblick.
[00:10:18] Speaker B: Genau, ja genau. Also einen vorselektierten, einen vordefinierten Überblick, der mich nicht überfordert, weil ich habe zuerst gesagt, welche Interessen hat mein Kind und dann kann ich die Suche noch entsprechend auch einschränken. Ich kann ich möchte auf keinen Fall eine Schule mit Schulgeld, kann ich sagen, es soll eine Schule sein ohne Schulgeld. Ich kann sagen, ich hätte gern eine Schule mit Internat.
Und das ist, denke ich, auch für viele Eltern. Ich gehöre selbst dazu nicht unwesentlich, Welche Schulen davon sind in einem gewissen Umkreis zu meinem Wohnort.
[00:10:55] Speaker A: Genau das wollte ich dich gerade fragen, weil das ist tatsächlich etwas, das glaube ich sehr, sehr wichtig ist für die Eltern und auch die Schülerinnen und Schüler, wie weit man dann pendeln muss.
[00:11:04] Speaker B: Genau, die Erreichbarkeit der Schule.
Und wenn die Schule und es gibt so Unikatschulen, Es gibt Unikatschulen, die habe ich nur einmal in Niederösterreich oder die habe ich zum Teil nur einmal in ganz Österreich. Auch das gibt es. Und wenn ich jetzt diese Schule auswähle, naja, dann ist schon die Wie komme ich dorthin?
Und wenn ich dort nicht täglich hin pendeln kann, gibt es ein Internat. Und wenn es ein Internat gibt, dann sollte ich mir auch anschauen, ob das Internat mir zusagt und nicht nur die Schule, sondern auch würde ich mich dort wohlfühlen, Könnte ich dort eine gesamte Schulwoche auch verbringen?
[00:11:42] Speaker A: Das ist ja generell auch wichtig, dass wenn man sich dann für zwei, drei Schulen entschieden hat, die in Frage kämen, dann auf jeden Fall den Tag der offenen Tür nutzen, oder?
[00:11:52] Speaker B: Ja, also das ist sowieso mein Haupttipp. Ich denke, der Schulscan kann eben eine extreme Hilfe sein, wenn es einmal um eine gewisse Vorselektion geht, eine Vorauswahl, welche Schulen passen zu meinem Kind Und dann kann ich ja noch zwei Stunden Tafeln direkt miteinander vergleichen. Auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Schulscans und sehe dann eben die Unterschiede zwischen den Fächern.
Also der eine Schulzweig hat diese Fächer, der andere hat diese Fächer, der eine Schulzweig hat vielleicht fünf Stunden Englisch, der andere Schulzweig nur drei Stunden Englisch. Auch da sehe ich sozusagen die Unterschiede und dann ist es okay, dann habe ich vielleicht zwei, drei Schulen in der engeren Auswahl. Und das ist dann schon mein weiterführender Tipp, muss ich sagen, zu Hey, liebe Eltern, geht mit euren Kindern direkt in diese Schule. Nutzt Tage der offenen Türen, nutzt Schulinfoabende, macht euch ein Bild vor Ort, weil letztlich dieser Eindruck, den ich vor Ort gewinne, ist der entscheidende. Und da habe ich jetzt wirklich auch letztens wieder mit einem Bekannten von mir gesprochen, der mir das total bestätigt hat, der gesagt Das Kind ist dort in die Schule gegangen und nach fünf Minuten hat es Nein, sicher nicht, Obwohl das grundsätzlich in der engeren Auswahl war. Und das habe ich schon mehrfach gehört, das heiß Schulscan nutzen. Ja, der hilft.
Aber dann für die endgültige Entscheidung ist es, denke ich, sehr, sehr wichtig, sich einen vor Ort Eindruck zu machen und auch das Bauchgefühl sprechen zu lassen und im Zweifelsfall das Kind entscheiden zu lassen.
[00:13:36] Speaker A: Absolut. Das ist so wichtig. Immerhin sind das die nächsten vier oder fünf Jahre im Leben des Jugendlichen.
Ja, danke, dass du uns das alles so konkret ausführlich erklärst. Hast du noch einen letzten Tipp für uns?
[00:13:48] Speaker B: Einen letzten Tipp?
Ich denke, wichtig ist, dass man wirklich versucht als Elternteil und der Schulscan ist ja insbesondere für die Eltern gedacht, weil man spricht halt noch mit, also gerade in diesem Alter.
Und dass man da einfach schon ab 12, denke ich, immer wieder mit dem Kind spricht, das Kind auch beobachtet, wie ich schon gesagt habe, vielleicht wirklich auch an Interessen arbeitet, es herausarbeitet, aber dann schon auch eben das Kind in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen, weil letztlich muss das Kind eben durchhalten. Vier Jahre, fünf Jahre. Und jeder, der schon mal in eine höhere Schule gegangen ist, weiß, dass dann in einer berufsbildenden höheren Schule, ich bin in eine solche gegangen, das dritte Jahr oftmals ein bisschen zag ist, wie man auf gut Mostvier sagt.
Also das Kind muss letztlich die Schule zu Ende bringen. Und ich denke, als Eltern möchte man ja auch, dass das Kind sich wohlfühlt.
Und das ist, denke ich, wichtig, dass man da einfach ein aufmerksamer, guter Begleiter ist als Elternteil und dass man auch eben es gibt ja zum Beispiel auch bei den Mittelschulen die Möglichkeit, schnuppern zu gehen. Also die haben die Möglichkeit, die dürfen bis zu fünf Tage im letzten Schuljahr schnuppern gehen, dass man auch das ermöglicht. Und da kann ich auch in einer Schule tatsächlich in einer höheren, weiterführenden Schule schnuppern gehen. Das wird ermöglicht. Und bei meinem Sohn zum Beispiel war das neben dem Tag der offenen Tür der zweite Zeitpunkt, der ihm verholfen hat, dazu zu Yes, in diese Schule möchte ich gehen. Und ab da war es klar, super.
[00:15:42] Speaker A: Umso besser, wenn dann die Jugendlichen auch noch voll motiviert sind. Freut mich.
[00:15:46] Speaker B: Genau.
[00:15:48] Speaker A: Danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, uns das alles zu erklären, wenn jetzt jemand doch noch eine konkrete Frage hat, unter welcher Hotline kann die Person euch erreichen?
[00:16:00] Speaker B: Wir haben ja als Arbeiterkammer auch eine Bildungs und Berufsberatung und da kann man uns erreichen, telefonisch, per E Mail, auch persönlich, persönliche Beratung, Videoberatung, aber telefonisch ist die Hotline.
[00:16:17] Speaker A: Wunderbar. Dann vielen Dank.
Auch wenn die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg schon mit 14 Jahren ansteht, helfen die eigenen Interessen und Stärken eben dabei, wie wir gerade gehört haben, den passenden Weg zu finden, die passende Richtung zu finden.
Wer sich eben gut informiert und die verschiedenen Möglichkeiten vergleicht, kann auch leichter eine Entscheidung treffen, zu den eigenen Vorstellungen und Zielen passt. Danke Christoph.
[00:16:42] Speaker B: Sehr gerne.